Preisträger 2010 - Bewegung für das Leben-Südtirol

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Preisträger 2010

Preis des Lebens
PREIS DES LEBENS 2010

Das Hauptaugenmerk des diesjährigen Luftballonfestes  im wunderschönen Park beim Haus des Lebens in Meran, wurde heuer besonders auf Familien mit Kindern gerichtet, die mit dem sog. "Down Syndrom" geboren wurden.
Und so wurde stellvertretend für alle Südtiroler Familien mit einem "Down-Kind" der Preis des Lebens an Renate Schwienbacher-Pantano  aus Bozen vergeben.

"Das Glück des Kindes ist unsere Freude"

Renate Schwienbacher-Pantano aus Bozen bekommt heuer den Preis des Lebens. Sie hat ihr Kind so angenommen, wie es war: Samuel ist ein Kind mit besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen; er hat das Down Syndrom.
Renate freut sich sehr, als sie mit 34 Jahren schwanger wird. Für die Kinderkrankenschwester, die schon auf verschiedenen Stationen gearbeitet hat, ist das nicht selbstverständlich, denn sie ist nicht ganz gesund. Im Laufe der Schwangerschaft denkt Renate immer öfters daran, dass ihr Kind das Down Syndrom haben könnte, obwohl zunächst nichts darauf hindeutet. Renate will es auch gar nicht genau wissen, aber sie spürt, dass das Kind unter ihrem Herzen bereits ihr Kind ist, das sie nicht mehr hergeben möchte.
"Die Geburt bestätigte meine Vermutung", erzählt uns Renate im Interview. "Ärzte, Hebamme, Krankenschwestern, alle waren wie gelähmt vor Schreck und haben geweint. Mein Mann und ich sind ruhig geblieben und haben die Nachricht gefasst aufgenommen."
Durch diese Ruhe gaben Renate und Simone auch den Verwandten und Freunden die Kraft, das Kind wohlwollend aufzunehmen. "Man muss ihnen helfen, ihnen zeigen, dass man selbst das Kind ganz annimmt", sagt Renate. Alle haben von Anfang an Hilfe angeboten, wo sie nötig war, und das ist bis heute so geblieben. Renate erachtet es für wichtig, ein gutes soziales Umfeld zu schaffen, in dem es möglich ist, Freunde und Verwandte in die Situation einzubeziehen. "Man muss es ihnen aber vorleben, nur so können auch die anderen das Kind voll akzeptieren und es nicht nur als armes "Hascherle" betrachten."
Viel zur Integration beigetragen hat auch der mittlerweile sechsjährige Samuel selbst, denn mit seinem Charme und seiner Anhänglichkeit schmeichelt er sich in die Herzen. Er geht auf alle Menschen zu und umarmt sie. Sehr gern nimmt er auch Übernachtungsangebote bei Freunden an. So hilft er, Hemmungen zu überwinden. Die Berührungsängste sind bei Kindern geringer als bei Erwachsenen, in der deutschsprachigen Bevölkerung stärker vorhanden als bei Italienern. Samuel wächst zweisprachig auf und versteht beide Sprachen, redet selbst aber fast nur italienisch.
Renate verschweigt nicht, dass das Leben mit Samuel oft nicht leicht ist. Jedes Spiel, jede Übung, alles muss therapeutischen Charakter haben. Beim Treppensteigen wird jede einzelne Stufe gezählt und auch sichtbar nummeriert. Auch andere alltägliche Gegenstände wurden beschriftet, z. B. sahen sie einen Stuhl, auf dem wirklich das Wort "Stuhl" stand. So hat Samuel bereits die einzelnen Buchstaben zu unterscheiden gelernt. Dazu kommen die Therapien beim Logopäden, beim Ergotherapeuten und vieles andere. Das Kind erfordert viel Geduld und Anstrengung.
Aber Samuel belohnt die Mühe reichlich. Jeder kleine Erfolg und Fortschritt löst um so größere Freude aus. Besonders stolz ist Renate, dass Samuel das Skifahren erlernt hat und sich im Schwimmbad schon früh über Wasser halten konnte. Das Rad hat ihn hingegen noch nie interessiert. Wie fast alle Kinder mit Down Syndrom ist Samuel sehr zärtlich und anhänglich und achtet auf ungeahnte Kleinigkeiten. "Das Kind glücklich zu sehen, ist unsere größte Freude", stellt Renate zusammenfassend fest.
Ihre Erfahrungen als Mutter eines Kindes mit Down Syndrom kann Renate wunderbar in ihren Beruf als Kinderkrankenschwester einbringen. "Der Arzt kann die Lage nur von der medizinischen Seite her beleuchten", sagt sie, "während man mir als Betroffener viel eher glaubt, wenn ich Mut zu einem Kind mit Down Syndrom mache." Darum wird sie meistens gerufen, wenn ein Kind mit Down Syndrom zur Welt kommt.
Das kommt bei uns in Südtirol durchschnittlich sieben Mal im Jahr vor, trotz aller Voruntersuchungen, denn bei einer vorgeburtlich feststellbaren Missbildung werden laut Statistik neun von zehn Kindern abgetrieben. Viele Ärzte raten sogar zu diesem Schritt. Oft wird werdenden Müttern gesagt, ihr Kind sei nicht lebensfähig, was aber nicht stimmt. Renate sagt: "Ich rate solchen Frauen, nicht auf den Arzt zu hören, sondern auf ihr Herz. Sie müssen sich bewusst machen, dass es schon ihr Kind ist, und sich fragen, ob sie wirklich noch darauf verzichten können. Aus Erfahrung mit anderen Frauen kann ich sagen, dass eine Abtreibung die Probleme nicht löst, sondern nur neue schafft." Sie kennt Frauen, die nicht fertig geworden sind mit der Tatsache, dass sie ihr Kind abgetrieben haben.
Zusammen mit anderen betroffenen Eltern hat Renate 2004 die Vereinigung "Il sorriso - Das Lächeln" (www.ilsorriso.bz.it) ins Leben gerufen. Der Verein will vor allem eine Anlaufstelle für Betroffene sein. Er dient dem Erfahrungsaustausch der Eltern, bietet einen Freundeskreis für Kinder und organisiert alternative Therapien, z. B. Musiktherapie, therapeutisches Reiten oder Kunsttherapie. Wenn es notwendig ist, wird der Verein auch politisch tätig. Es werden auch Hilfen geboten, wenn in einer Familie ein Kind mit Down Syndrom geboren wird. "Wir möchten Eltern zeigen, dass hinter allem Schreck und den Schwierigkeiten, die ein Kind mit solchen Bedürfnissen mit sich bringt, auch das Lächeln dieser Kinder steht, das den Eltern dabei hilft, die Schwierigkeiten zu überwinden", sagen Renate und ihre Freundin, die zu unserem Gespräch dazu gekommen ist.
Renate ist es aber auch wichtig, ihr Kind zu möglichst großer Selbständigkeit zu erziehen; sie hofft, dass er betreut einmal auch ohne sie zurecht kommen wird.
Renates Mann Simone ist tief religiös und hat sich schon länger eine Fahrt nach Medjugorje gewünscht. Vor einem Jahr ist die kleine Familie privat dorthin gefahren. Renate erzählt: "Ich bin nur meinem Mann zuliebe mitgefahren und wollte mich mit den Ereignissen dort nicht identifizieren. Ich bin als Touristin nach Medjugorje gekommen, habe es aber nach ein paar Tagen als gläubige Frau wieder verlassen." Der neu gewonnene Glaube war und ist für die ganze Familie eine Bestätigung, richtig gehandelt zu haben.


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